Die Textsammlung besteht aus religiösen und hermetischen Schriften, moralischen Sentenzen, apocryphen Büchern und überraschenderweise einer Neuschrift der Republik von Plato.  
     
  Neben der Bedeutung der Manuskripte für die Geschichte des Buches (es sind die bis zum heutigen Tag bekannten ältesten Bücher) und die koptische Paleografie, sind die Schriften sowohl für die Philosophie als auch für das frühe Christentum von unschätzbarem Wert.  
     
  Ihre Analyse gestaltet sich allerdings äußerst schwierig, da wir weder ihre Autoren noch die Umstände oder Orte ihrer Entstehung kennen.  
     
  Für die Geschichte des Ursprungs der Gnosis sind die Bücher jedoch von ausschlaggebender Bedeutung.  
     
   
     
  Die gnostischen Texte enthalten Auslegungen und christliche Rituale, die von den im Jahr 325 offiziell festgelegten Glaubensrichtlinien abweichen und daher als häretisch verurteilt wurden. Aus diesem Grund wurden sie gesammelt, versteckt und auf diese Weise von den abweichenden gnostischen Bewegungen in Sicherheit gebracht.  
     
  Gnosis ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet "Wissen" oder "Erkenntnis". Die Gnostiker hatten eine völlig andere Beziehung zu den heiligen Texten als die Christen, und so lag ihnen weniger an der historischen Wahrheit der Schriften als vielmehr an ihrem esoterischen Inhalt. Die Gnostiker betrachteten das Göttliche als ein im Innersten des Menschen wachsendes und damit geheimes Wissen, das nur mithilfe von Tradition und Einweihungsritualen übermittelt werden konnte.  
     
  Die Nag Hammadi-Bibliothek enthält zahlreiche Zeugnisse gnostischer Bewegungen, die vorgeben, geheime Lehren zu vermitteln und sich dabei zum Teil auf das Alte Testament beziehen.  
     
GLOSSAR
Apocryphon: Bezeichnung für Schriften, die den kanonischen Büchern ähneln, und Personen erwähnen, die im Christentum eine Rolle gespielt haben. Die Schriften sind nicht Teil des Neuen Testaments.
Koptisch: Bezeichnung für das Ur-Christentum in Ägypten
Esoterik: Doktrin, bei der davon ausgegangen wird, dass das Wissen nicht den breiten Massen, sondern vielmehr einer zahlenmäßig eingeschränkten Gruppe von Anhängern zugänglich sein sollte.
Gnostizismus: Der Name Gnostizismus ist zum Sammelbegriff für eine Vielfalt religiöser Lehren geworden, die im römischen Reich vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 4. Jh. nach Chr. erschienen sind und sich hauptsächlich auf die Umgebung von Alexandria konzentrieren. Die Lehren sind sehr stark vom Dualismus zwischen der als negativ angesehenen Materie und dem Geist geprägt. Das gnostische Gedankengut wurde von der Kirche als häretisch verurteilt.
Häresie: Sammelbegriff für religiöse Bewegungen, die parallel zum Katholizismus entstanden sind und von der Kirche aufgrund ihrer Unvereinbarkeit mit dem offiziellen Dogma verurteilt wurden.
Hermetismus: Geheimlehre, die aus einer Reihe von Texten hervorgegangen ist, die traditionell dem Hermes Trismegistos zugeschrieben werden.
Quelle Q: Mit Quelle Q werden die Abschnitte gekennzeichnet, die auch in den Markus- und Lukas-Evangelien zu finden sind, und aus diesem Grund unter dem Begriff der Doppeltradition geführt werden.
 
 
Die Textsammlung der Bibliothek enthält eine Reihe von sogenannten hermetischen Büchern, die dem Inhalt des Corpus Hermeticum besonders nahe stehen.
 
So besteht der Codex VI beispielsweise aus einer Abhandlung ohne Titel, die mit der Überschrift "Über die Achtheit und die Neunheit" versehen wurde, einem hermetischen Gebet und einem längeren Fragment über die ursprüngliche Lehre. Während der zweite und dritte Text zum Teil auch in Asklepius enthalten ist, handelt es sich bei dem ersten Text um eine völlig unbekannte Schrift.
 
Diese Texte nehmen eine besondere Stellung ein, da ihr Inhalt von den anderen, in der Bibliothek ausführlich beschriebenen gnostischen Theorien stark abweicht. Im Vergleich zu den bis heute bekannten griechischen und lateinischen Texten sind vor allem die Parallelen zur ägyptischen Religion für die Schriften bezeichnend. Sie lehnen die ägyptische Religion keineswegs ab, sondern geben vielmehr Anregungen zu einer Spiritualisierung ihrer Lehren. Der Hermetismus ist nicht als religiöses System christlicher Prägung sondern als "Weg" zu verstehen.
 
Die drei Bücher enthalten zusammengenommen die gesamte hermetische Doktrin, also den Weg, den der Eingeweihte gehen muss, um die Gotteserkenntnis zu erlangen. Hierin liegt der ausschlaggebende Unterschied zwischen den Christen und den Gnostikern bzw. Hermetikern. Während das Christentum seine Lehren auf der historischen Wahrheit aufbaut, beruhen die gnostischen Bewegungen, einschließlich des Hermetismus, auf der Auslegung von Symbolen und Allegorien.
 
Weitere Informationen:
 
 
 
 

Die Bibliothek setzt sich aus 13 Büchern zusammen, die nach der wissenschaftlichen Bezeichnung für eine Sammlung von in der Mitte gefalteten und gebundenen Blättern unter dem Namen Codex geführt werden. Bei diesen Schriften handelt es sich um die ältesten Bücher, die bis heute entdeckt wurden.

 
 
 
Codex I  
(Codex Jung) 1. Das Gebet des Apostels Paulus
  2. Der Brief des Jakobus
  3. Das Evangelium der Wahrheit
  4. Der Rheginusbrief
  5. Der dreiteilige Traktat
Codex II 6. Das Apokryphon des Johannes
  7. Das Thomasevangelium
  8. Das Philippusevangelium
  9. Das Wesen der Archonten
  10. Schrift ohne Titel
  11. Die Exegese der Seele
  12. Das Thomasbuch
Codex III 13. Das Apokryphon des Johannes
  14. Das Ägypterevanglium
  15. Der Eugnostosbrief
  16. Die Sophia Jesu Christi
  17. Der Dialog des Erlösers
Codex IV 18. Das Apokryphon des Johannes
  19. Das Ägypterevanglium
Codex V 20. Der Eugnostosbrief
  21. Die Apokalypse des Paulus
  22. Die erste Apokalypse des Jakobus
  23. Die zweite Apokalypse des Jakobus
  24. Die Apokalypse des Adam
  32. Asklepius
 
Codex VII 33. Die Paraphrase des Seem
  34. Das zweite Logos des großen Seth
Codex VI 25. Die Taten des Petrus und der zwölf Apostel
  26. Bronte
  27. Die ursprüngliche Lehre
  28. Der Gedanke unserer großen Kraft
  29. Plato, Staat
  30. Über die Achtheit und die Neunheit
  31. Hermetisches Gebet
  35. Die Apokalypse des Petrus
  36. Die Lehren des Sylvanus
  37. Die drei Stelen des Seth
Codex VIII 38. Zostrianos
  39. Der Brief des Petrus an Philippus
Codex IX 40. Melchisedek
  41. Norea
  42. Das Testimonium Veritatis
Codex X 43. Marsanes
Codex XI 44. Die Interpretation der Gnosis
  45. Valentinianische Exposition
  46. Allogenes
  47. Hypsiphrone
Codex XII 48. Die Sentenzen des Sextus
  49. Zentrales Fragment des Evangeliums der Wahrheit
  50. Nicht identifizierte Fragmente
Codex XIII 51. Die Dreigestaltige Pronnoia
  52. Fragment der 5. Abhandlung des Codex II